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Eins steht fest: Beim Überholen weiß kein Kfz mehr, wie viel 1,5 oder 2m wirklich sind. Dass es theoretisch gesetzlich geregelte Abstände gibt, hindert wenige Autofahrer daran, viel zu knapp und viel zu schnell an Rad- und E-Bike-Fahrern vorbeizufahren.
Welche gesetzlichen Abstände für das Überholen von Radfahrern tatsächlich gelten und was die neuesten Erhebungen aus dem DACH-Raum zeigen, erfährst Du hier:
Überholabstand am Rad: Gesetzliche Grundlagen
Gesetzlicher Überholabstand Deutschland
§ 5 Abs 4 StVO besagt, dass Kraftfahrzeuge beim Überholen von Radfahrern, Fußgängern und E-Scooter-Fahrern innerorts ein Mindestabstand von 1,5m einhalten müssen. Außerorts gilt ein erhöhter Abstand von 2m als Minimum.
Übrigens: wer neben Fahrzeugkolonnen an der Kreuzung vorfährt, muss sich gefasst machen. Denn in dem Fall besteht an der Kreuzung fürs Kfz kein Mindestabstand.
Seltsamer Beisatz im gleichen Paragrafen: Überholen darf man nur mit wesentlich höherer Geschwindigkeit.

Gesetzlicher Überholabstand Österreich
In Österreich ist der Überholabstand von Radfahrern (und seit 01. Mai durch §68a StVO auch E-Scooter-Fahrern) in § 15 Abs 4 StVO geregelt. Auch in Österreich gilt ein Mindestabstand innerorts von 1,5m und außerorts 2m. Fährt das Kfz weniger als 30 km/h, kann der Seitenabstand auch reduziert werden.
Kein gesetzlicher Mindestabstand beim Überholen in der Schweiz
In der Schweiz gibt es übrigens gar keinen gesetzlichen Mindestabstand. Art 34 SVG verpflichtet lediglich dazu, "ausreichend Abstand" zu wahren — und das, obwohl seit vielen Jahren von der Organisation ProVelo eine Regel gefordert wird und jeder 10. Radunfall passiert, wenn ein Radfahrer überholt wird.
Wieso ist das Überholen von Radfahrern so gefährlich?
Eine aktuelle Erhebung des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) in Österreich zeigt: 262 Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer verunfallen jährlich in Österreich alleine aufgrund von mangelndem Überholabstand. Die Dunkelziffer ist mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich höher. Der Mindestabstand wird von Autofahrern dabei laut dieser DACH-weiten Studie von Salzburg Research systematisch unterschritten. Die größten Gefahren für Radfahrer:
- Stürze wegen der Sogwirkung vorbeifahrender Kraftfahrzeuge
- Kontrollverlust und Kollision mit Bordsteinkanten
- Dooring, wenn Radfahrer zu weit nach rechts ausweichen
Wenn ein PKW oder LKW am Radfahrer vorbeifährt, wird der Radfahrer durch die Luftmasse zuerst zur Seite gedrückt und dann in schnellem Wechsel zum Auto hingezogen — mit der gleichen Stärke wie ein vorbeifahrender Zug am Bahnsteig, erhebt das Karlsruher Institut für Technologie. Der schnelle Wechsel führt dazu, dass der Lenker verrissen wird, besonders wenn man nicht beide Hände am Lenker hat, etwa beim Handzeichen an der Kreuzung.

Alleinunfälle wegen Ausweichmanöver
Knapp passierende Autos führen oft zu Stress, der wiederum in hektischen Ausweichbewegungen mündet. Genau diese Manöver bergen die Gefahr einer Kollision mit der Bordsteinkante, die wiederum einen Sturz zur Folge hat.
Dooring-Gefahr fürs Fahrrad am rechten Fahrbahnrand
Die Gefahr des Dooring — das ist der Zusammenstoß am Fahrrad oder E-Scooter mit einer plötzlich geöffneten Tür eines am Straßenrand parkenden Kraftfahrzeugs — besteht dagegen, wenn man permanent weit rechts fährt. Das KFV empfiehlt, einen Abstand von 1 – 1,5m zum Fahrbahnrand zu lassen, um das Risiko eines Dooring-Unfalls zu reduzieren. Damit begibt man sich allerdings direkt wieder in den Sogbereich der überholenden Autos.
Stelle sicher, dass Du immer bremsbereit und vorausschauend fährst. Der Sogwirkung und der Sturzgefahr beim Ausweichen kannst Du gegenwirken, indem Du immer beide Hände am Lenker lässt und dadurch stabil unterwegs bist. Das gilt nach Möglichkeit auch beim Abbiegen: Genau hier ist die Stabilität am niedrigsten, auch, wenn Du zB beim Vorbeifahren einer offenen Autotüre ausschwenkst.

Kann Flasher den Überholabstand am Fahrrad vergrößern?
Unzählige unserer Kunden sagen: Ja. Wenn man Flasher trägt, halten Autos einen größeren Abstand. Im Dunkeln und bei schlechter Sicht deshalb, weil sie die Silhouette dank der Lichter am Oberarm besser einschätzen können. Aber auch der Blinker direkt im Sichtfeld der Autofahrer zieht die Aufmerksamkeit der Lenker stärker an.
Wichtig wäre, die Studien von Salzburg Research und des Karlsruher Instituts für Technologie mit Flasher zu wiederholen. Dadurch kann die Datenlage, wie Beleuchtung am äußersten Punkt des Körpers die Vorsicht und Psychologie der Autofahrer beeinflusst, in wichtigen Punkten weiter ausgebaut werden.









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